Abgeordneter Grath: „Aus der LEA eine Massenunterkunft zu machen, wäre fatal für die Bewohner“

Ellwangen — Eine fehlgeschlagene Abschiebung in der Ellwanger Landeserstaufnahmestelle (LEA) hatte vor rund drei Monaten bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Nun haben sich Abgeordnete der grünen Landtagsfraktion am Freitag erstmals einen persönlichen Eindruck vor Ort verschafft, darunter der zuständige Abgeordnete Martin Grath aus Heidenheim.

Ebenfalls dabei: Uli Sckerl (innenpolitischer Sprecher und Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion Grüne) und Daniel Lede Abal (migrationspolitischer Sprecher und Vize-Fraktionschef). Nach einem Rundgang kamen die Landtagsgrünen mit verschiedenen Akteuren ins Gespräch: Vertreter von Polizei, psychologischer Betreuung, Lea-Leiter Berthold Weiß und Sozial- und Verfahrensberatung.

„Der Besuch hat gezeigt: Die LEA läuft! Unter den täglichen Herausforderungen leisten Berthold Weiß und sein Team hervorragende Arbeit in der Landeserstaufnahmestelle“, sagt Grath. Besonders beeindruckte ihn die Betreuung durch den Psychologen Reinhard Sellmann, der seit zweieinhalb Jahren die LEA unterstützt. Graths Eindruck: Viele Bewohnerinnen und Bewohner leiden erheblich unter ihrer angespannten Bleibe-Situation. Bei manchen habe der Polizeieinsatz traumatische Eindrücke hinterlassen. Hinzukommen mehrmalige Abschiebungen pro Woche, die vielen den Schlaf rauben. Im Alltag könnten sich die Kinder kaum auf den Unterricht konzentrieren, einige erwachsene Bewohner litten unter psychischen Problemen, wie Lea-Mitarbeiter berichten.

„Über die Jahre hat sich die Stimmung in der Unterkunft verändert. Früher kamen hier syrische Kriegsflüchtlinge unter. Heute sind unter den 600 Bewohner viele afrikanische Männer mit meist schlechter Bleibeperspektive. Bei vielen machen sich Wut, Angst und Hoffnungslosigkeit breit“, sagt Grath. Allen Flüchtlingen müsse eine Perspektive geboten werden, so Grath weiter. „Die lange Verweildauer ist ein riesiges Problem. 25 Prozent der Bewohner müssen länger als sechs Monate in der Lea bleiben, bis sie erst auf die Kommunen verteilt werden. Das sorgt für Frust, die wieder in Aggression umschlagen kann.“

Grath kritisierte die Asylpläne des Bundesinnenministers Horst Seehofers. „Klar ist: Wenn die geplanten Ankerzentren kommen, müssten die Menschen schlimmstenfalls bis zu 18 Monaten in einer vielfach größeren Einrichtung verbringen, ohne eine Chance auf Sprachförderung, Arbeitsmöglichkeit und Bleibeperspektive. Flüchtlinge auf diese Weise für bis zu 1,5 Jahre wegzusperren lehnen wir strikt ab.“ Und weiter: „Aufenthalte in Massenunterkünften sind unzumutbar. Sie verdammen die Untergebrachten zum Warten und Nichtstun ohne Arbeit, ohne Sprachkurs, ohne Integration.“ Eine fehlende Bleibeperspektive sei ein Nährboden für Konflikte und Kriminalität – sowohl im Lager als auch in der näheren Umgebung. Außerdem sei zu befürchten, dass die Untergebrachten in den geplanten Ankerzentren kaum Kontakt zu Ehrenamtlichen und Rechtsberatern erhielten. „Bis ihr Asylantrag geprüft ist, wären sie im Massenlager eingepfercht. Aus Landeserstaufnahmestellen größere Massenunterkünfte zu machen, wäre somit fatal für die Bewohner. In Seehofers Ankerzentren wäre die Angst dann verankert.“

 

BU: von links nach rechts Daniel Lede Abal (migrationspolitischer Sprecher), Martin Grath (Abgeordneter des Betreuungswahlkreis) , Berthold Weiß (LEA-Leiter), Uli Sckerl (innenpolitischer Sprecher und Parlamentarischer Geschäftsführer).

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