Herbrechtinger Modelle fürs Alter

Senioren für Ihr Leben in allen Schattierungen zu begeistern ist das Thema der Begegnungsstätte Herbrechtingen. Nahe an der Brenz gelegen, hat sich auf dem Gelände in den vergangenen ca. zwanzig Jahren ein Zentrum für ältere Menschen entwickelt. Dies erlebte auch der Landtagsabgeordnete Martin Grath bei seinem Besuch in der Begegnungsstätte, wo ihm einerseits die ehrenamtliche Ideenvielfalt von Senioren begegnete; er aber auch wenige Meter davon entfernt  von den Sorgen der Ökumenischen Nachbarschaftshilfe Herbrechtingen erfuhr.

Um häufige Missverständnisse zu vermeiden, begrüßte Julia Baamann, Leiterin des Ordnungsamts, den Abgeordneten der Grünen: „Die Begegnungsstätte ist nicht Teil des angrenzenden Seniorenheimes.“ Seit ca. zwanzig Jahren bietet die Begegnungsstätte Senioren die Möglichkeit selber aktiv zu sein, „ohne bespaßt zu werden.“ Mehr als 15 Projekte koordiniert Heiner Schieszl, von Spiel- und Arbeitsgruppen über Ausstellungen und ganz neu das Schlager-Café. So hat sich die Begegnungsstätte zu einem vorbildlichen Treffpunkt für Herbrechtinger über 60 Lebensjahre entwickelt. Aufgabe dieses vielerorts anerkannten Modells ist es nun, in den nächsten Jahren, so Schieszl: „Jüngere Senioren für unsere Begegnungsstätte zu gewinnen“.

Ernste Töne vernahm MdL Martin Grath bei der angrenzenden Ökumenischen Nachbarschaftshilfe Herbrechtingen, kurz ÖNH. Die ÖNH ist eine ökumenisch zusammengesetzte Arbeitsgemeinschaft. Träger ist die Evangelische Kirchengemeinde Herbrechtingen. Der Verbund von Kommune, evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und anderen Organisationen unterstützt Senioren und Seniorinnen im Stadtgebiet von Herbrechtingen, damit sie lange selbständig zu Hause bleiben können. Zu den Aufgaben zählen stundenweise Reinigungsarbeiten, das Zubereiten von Essen oder das Wäsche waschen. Hinzukommen Einsätze bei der Kinderbetreuung, Gartenarbeiten oder dem Winterdienst sowie Förderung der zwischenmenschlichen Beziehungen, z.B. vorlesen, Spazieren gehen, Begleitung zum Arzt oder zum Einkaufen.

Die Helfer sind seit dem 1. April 2018 über einen Rahmenvertrag als Mitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde angestellt. Bezahlt wird gegen Nachweis eine Aufwandsentschädigung von max. 2.400 Euro im Jahr. Dies entspricht dem Modell der Übungsleiterpauschale. Damit die betreuten Personen die Leistungen der Helfer mit den Pflegekassen abrechnen können, muss das Landratsamt die Dienste der ÖNH Herbrechtingen nach § 45a Sozialgesetzbuch XI anerkennen. Ansonsten müssen die Senioren die Leistungen privat bezahlen.

Die bisherige Anerkennung des Landratsamts Heidenheim läuft zum Jahresende aus. Für die neuerliche Anerkennung gibt es seitens des Pflegestärkungsgesetzes klare Vorgaben. Dazu zählen u.a. die Schulungen der Helfer. Denn: Nur geschulte Helfer dürfen Haushalte versorgen, damit mit den Pflegekassen abgerechnet werden kann.

So müssen neue Helfer in ihrem ersten Jahr 30 Unterrichtseinheiten an Schulungen absolvieren. Hier beginnt für die Nachbarschaftshilfe Herbrechtingen das Problem: Die Zeit für die Schulungen bekommen die Helfer nicht bezahlt. Die Folge: Die Schulungen werden kaum besucht und die Zahl der Helfer nimmt stetig ab.

Unterstützung versprach MdL Martin Grath, der das Thema der Versorgung von Senioren erst am Anfang einer gesellschaftlichen Entwicklung sieht. „Das Problem beginnt erst.“

 

Bildunterschrift:

Besuch im ehrenamtlichen Café der Begegnungsstätte. (v.li.): Landtagsabgeordneter Martin Grath, Gabriele Thorbahn, Heiner Schieszl, Julia Baamann und Wolfgang Geiger

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